DES ADLERS HORT IST ÜBERALL 29.01.1994

DES ADLERS HORT IST ÜBERALL 29.01.1994

Ich war frei, jung und ungebundenund ritt auf einem demokratischen Traum.

Die Zügellosigkeit schüttelte und rüttelte mich durch,

ließ mich in der schwarz-rot-gelben Mähne

festkrallen.

Die Kulisse raste an einem Endlosband aufgeperlt,

als eine einzige Kontur……….an mir vorbei.

Der Wind zauste mein Haar und ließ es mit

seiner Kraft herumwirbeln und fliegen.

Die Züge der Gleichgültigkeit kollidierten,

die Fabriken der Dekadenz zerfielen zu Schutt und Asche.

Mein Wahn, der Wahrheit so nahe wie möglich zu sein,

den Genuß der Gerechtigkeit in meinem Körper zu

einem vollen Lustfaktor aufblühen zu lassen,

ließ mich an den Ort des Schicksals eilen.

Ich stieg von meinem Roß der Selbstsicherheit

und lief in himmlischer Ekstase zu den überall

realen Schlangengruben der Existenz.

Kaltherzig und siegesgewiß lachte ich mich ins Delirium,

als die bösen Zungen nun gespalten Trauer propagierten.

Meine Stimme war zu laut und heftig und die Sklaven

des Mainstraims ängstigten sich den Pfad zu verlassen,

steinigten mich mit ihren Gesetzbüchern.

Sie fesselten mich mit dem Freiheitsglauben des Großbürgertums.

Später ließen sie mich von der rechten Flamme der Demokratie

langsam und schmerzvoll angefüllt, auffressen.

Meine Asche verstreuten sie,

im Namen des Volkes, in alle Winde.

Das Pferd reitet kopflos weiter

und der Regen spült den Korpus glänzend braun.

Doch die Schlächter haben vorgearbeitet.

Sie tun ihre Berufspflicht, um die nächste Sau

durch das Dorf zu jagen und dann zu töten.

Der Rest ist wie immer die unsägliche Geschichte.

Das Volk und seine Schäfer sind blind, taub und gefühllos.

Sie haben das Demos mit dem Signum der Karikatur behaftet.