Facebook oder Demokratie zahlt sich aus

Facebook oder Demokratie zahlt sich aus

Facebook, die Perle der Demokratie, Weltoffenheit und gegen Hass liebt Euch Alle. Ja Euch Alle. Alle, die seit aus einem Studentenulk von drei Havardstudenten im Jahre 2003 bis zu den monatlich 1.800.000.000 Nutzer weltweit.

Facebook will nur unser Bestes und das sind unsere Daten. Mit diesen Daten kann man massgeschneiderte Werbung, via Bots, zuteil kommen lassen. Die Werbeempfehlungen finden sich in dem Pool von Kredithaien, überteuerem Essen, Kleidung etc. wieder. Google-Suchergebnisse oder Dinge, die man gerade bei Amazon oder Ebay gerade käuflich erworben hat, werden nochmals offeriert. Wenn das nicht zum Konsum anregt, benutzt man ungefragt meine Person oder eine aus meinem Freundeskreis für Produktempfehlungen an Dritte. Da reicht es schon mal eine Dienstleistung oder eine Firma zu liken oder einen Kommentar zu hinterlassen, um als Produktempfehler eingestuft zu werden. Man muss schon sehr infam sein, wenn man Facebook unterstellt, dass seine Plattform nur dazu dient, als komplettes Datensammlungsbecken für die Industrie oder den unzähligen Geheimdienste zu gelten. Ich will nicht so gehässig sein, aber es fällt mir sehr, sehr schwer.

Geschenkt, dass auch der Börsengang ein Flop war und schon in der ersten Woche nach dem Börsengang, der Aktienkurs von 38 auf rund 33 Dollar sank. Das rief auch die Börsenaufsicht auf den Plan, die Facebook vorwarf, Kleinanlegern Informationen vorenthalten zu haben. Aber mit sowas hält sich Facebook nicht auf. Sollen sie doch klagen. Wenn sie Recht kriegen sollten, geht man pleite und der Kläger schaut ins virtuelle Nichts. Sonst ist Facebook auch sehr kreativ, wenn man die Gewinne möglichst ohne ein Finanzamt teilen will. So kündigte der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2015 an 99% seiner Facebook-Anteile zu verkaufen, was er am 23. August 2016 in die Tat umsetzte. Schupssdiwuppsi verkaufte er das erste Aktienpaket im Wert von umgerechnet 95 Millionen Euro. Natürlich will er die Chan-Zuckerberg-Initiative mit finanziellen Mitteln unterstützen. Dumm nur, dass diese Summe aber keine echte Spende ist, sondern die Chan-Zuckerberg-Initiative als Limited Liability Company fungiert  und in seine rechte Tasche zurück fliesst. Man muss es nur gut verkaufen können.

Aber Facebook will anders sein und sich in den gesellschaftspolitischen Prozess einbringen, ihn mitgestalten, ihn prägen und fungiert als eine Ersatzplanet für diese schreckliche Welt und verpflichtet sich gegen Hassreden, gegen Mobbing, Fakenews, falsche Abgaswerte, Hochwasser, Klimawandel, dreiköpfige Saurier und und und ….

Doch wie soll das funktionieren, wie will das Facebook umsetzen? In der komplexen Welt möchte man es einfach haben. Da hört man gerne den vielen massgeschneiderten Rednern zu, die die einfachen Plattitüden und Allgemeinplätzchen ins Netz stellen und sich als Retter des Abendlandes aufspielen. Vornehmlich findet man diesen Menschenschlag auf Facebook. Da kriegt der Schreihals, der Wutmensch oder Populist, seine virtuelle Streicheleinheiten in Form von Likes, Kommentaren von seinen Fans. Da jubiliert der Hass-Eumel, Hakenkreuzler, Scheibenweltler, deutsch-nationalen Werteverteidiger und erhebt sich über vermeintlich Schwächere. Er fühlt sich als Überlegender und verkleistert seine Kleingeistigkeit. Er steigert sich in eine wütende Orgie der Postfaktik und postet Kommentare, die vor Beleidigung, Diffamierung, Hassgerede..nein Geschrei wimmeln, überquillen und meldungswürdig wären. Dieser virtuelle, von Vorurteilen, Vorwürfen, Unzufriedenheit, Verschwörungstheorien, kruden Theorien angefüllte Scheisshaufen zieht immer mehr Schmeissfliegen an und man sieht die Kernansätze einer Diskussion vor lauter Geschwirr nicht mehr. 

Der Gutmensch versucht es in seiner Hoffnungslosigkeit erst mit zarten Gegenargumenten, Parolen, gut gemeinten Ratschlägen, aber der Pöbel ist in Rage geraten und seine Maske der Gutbürgerlichkeit ist blankem Hass gewichen. Man braucht wieder Hexen, die man foltern und verbrennen kann. Das Mittelalter ist allgegenwärtig: Rothaarig ergibt das Mädchen mit dem bösen Blick und führt zum Scheiterhaufen. Gestern war es der Jude, heute der korrupte Politiker, der Muslim, der Freimaurer, der unsere Existenz bedroht und auf den Scheiterhaufen gehört.  Irgendwann reisst dem Gutmenschen dann der Geduldsfaden und er verrutscht im Ton oder vergallopiert sich. Schwupps meldet ihn der beleidigte Pöbel bei Herrn Zuckerbergs Robots, die sofort alles nach gewissen Codewärtern, Beleidigungen etc. suchen. Aber der Facebook-Bot erkennt auch, dass viele der Hassposts viele Likes etc. generieren und bei Facebook-Bot lebt man von Werbung und im Umfeld dieser Hassposts kann man dem Firmeninhaber xy Werbung einer grossen Kundenschar zu verkaufen.  Den besonnenden Texten fehlt das eben. Der Bot tut sich schwer diese Posts zu löschen, denn Hass ist Emotion und damit verdient man Geld. Bis zu vier Wochen Sperrung sind möglich. Wünscht Dich einer in Asche oder möchte Dich am Gas schnuppern lassen, dann fällt das unter Meinungsfreiheit. Allerdings wenn Du ihn als das bezeichnest was er ist: nämlich ein Rassist oder Naziwichser, dann führt das zur Sperrung. So läuft die Facebook-Demokratie.  

In diesem Szenario wollte ich was Gutes tun und so eine Art Dauerstatement veröffentlichen, wo man nicht sich stets mit dem Pöbel lange, unnütze Wortschlachten liefern muss, sondern ihm Grenzen zeigt. Ich postete also jene zwei Gedichte aus den Spät-80ern bzw. frühen 90ern, lange bevor eine Serie an Brandanschlägen etc. die Republik erschütterten. Das ich da auch meine Wut gegen die bürgerliche rechte Mitte äusserte, dürfte verständlich sein. Das allerdings verstand der Bot nicht, der meine beiden Gedichte scannte und zwei, drei Reizworte, ohne den Zusammenhang zu verstehen, als Hetz- oder Hassrede sah. Flugs sperrte man mich. Sämtlicher Protest Dritter und dazu auch persönliche Briefe an die echten Menschen des deutschen Facebookteams hätte ich mir auch sparen können. Es war pure Zeitverschwendung.

Um welche Gedichte es sich handelte? Jene hier:

1. WELT 11.10.86 

Hörst Du nicht wie die Bananen schreien,

wie den Pflücker unter der Peitsche?

Erkennst Du nicht das Blut im Orangensaft,

das von den liquidierten Kaffern kommt?

Riechst Du nicht im Tabak,

den verwesenden Geruch des Pflanzergebeins?

Schmeckst Du nicht im Reis,

 den mit Indern gestapelten Scheiterhaufen?

 Hey, erste Welt,

 sind Deine Reizsinne verkümmert?

 Oder ist Dein Verstand verkrüppelt?

 Wärest Du nicht schon krepiert,

 wenn Deine Sinne alles wahrnehmen?

Aus dem Land wird nie In dem Land 27.01.94

Er wand sich in seinen Zuckungen,

aber so sind die nun mal.

Die tanzen ja auch so unmoralisch,

bewegen unsittlich ihre Becken.

Nigger, Du tanzt auf unserem Buckel,

bis wir Dir die Stiefelpolka beibringen!

Jetzt bewegt er, das was noch nicht

zerquetscht oder gebrochen ist.

Sie beerdigten ihn natürlich wieder mit

ihrem ganzen Bedauern und ächteten die Tat.

Damit so was nie wieder vorkommt,

schafften sie den Asylparagraphen ganz ab.

Keine Kanaker im Land,

kein Unmut über Überflutung,

keine Fremdenfeindlichkeit!